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28. Mai 2026
Das Universal Commerce Protocol: Was AI-Commerce für Händler verändert
in AI, Digital Commerce

von Daniela Köhler

Pressesprecherin

Inhaltsverzeichnis
28. Mai 2026

Das Universal Commerce Protocol: Was AI-Commerce für Händler verändert

in AI, Digital Commerce
Speakerbild Markus Schmid von novomind
Head of Product Management novomind iSHOP
Der Online-Handel verändert sich rasant: Mit dem Universal Commerce Protocol treibt Google die Verschiebung des Kaufprozesses in AI-basierte Interfaces voran. Produktsuche, Beratung und Abschluss wachsen zusammen und finden immer häufiger außerhalb klassischer Shops statt. Für Händler stellt sich damit eine zentrale Frage: Welche Rolle bleibt ihnen, wenn Plattformen den Kaufmoment kontrollieren?

Das Universal Commerce Protocol (UCP) verschiebt den Kaufprozess im digitalen Handel in AI-basierte Interfaces wie Google Gemini oder den Google KI-Modus. Aktuell wird das Konzept im US-Markt ausgerollt und ist noch nicht global verfügbar.

Diese Entwicklung verschärft die bestehenden Spielregeln im digitalen Handel. Neue, dialogbasierte Einstiegspunkte führen Nutzer direkt in den Kaufprozess, sodass Produktsuche, Beratung und Transaktion zunehmend außerhalb des eigenen Shops stattfinden. Für Händler bedeutet das einen strukturellen Wandel: Plattformen wie Google entwickeln sich weiter zu eigenständigen Transaktionsinstanzen, die nicht nur Aufmerksamkeit bündeln, sondern auch Abschlüsse ermöglichen.

Forrester bringt die Herausforderung auf den Punkt: „Merchants will have to figure out how to coexist with this new shopping experience.“ — Emily Pfeiffer, Principal Analyst Forrester Research, Predictions 2026: The Agentic Commerce Race In Digital Commerce

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Welche Rolle bleibt dem Händler in einem Ökosystem, in dem die Customer Journey immer häufiger außerhalb der eigenen Touchpoints beginnt und endet?

Was ist das Universal Commerce Protocol (UCP)?

Das Universal Commerce Protocol (UCP) ist ein von Google initiiertes Konzept für die Standardisierung von Commerce-Prozessen in AI-basierten Umgebungen. Es zielt darauf ab, Produktdaten, Verfügbarkeiten, Interaktionen und Transaktionen so zu strukturieren, dass sie nahtlos in dialogbasierte Interfaces integriert und dort verarbeitet werden können.

UCP steht dabei nicht isoliert, sondern reiht sich in bestehende Ansätze zur Standardisierung von Produktdaten und Transaktionen ein – von klassischen Feed-Formaten bis hin zu API-basierten Integrationen. Der Unterschied liegt vor allem in der direkten Einbindung in AI-basierte Interaktionen und Entscheidungsprozesse.

Damit entsteht ein Modell, das in seiner Logik an klassische Marktplätze erinnert: Produktdaten werden zentral verfügbar gemacht, während Interaktion und Kaufabschluss zunehmend über die Plattform gesteuert werden. Gleichzeitig ist UCP Teil einer übergeordneten Entwicklung hin zu vernetzten Protokollen und Systemen, die den Austausch zwischen AI, Plattformen und Händlersystemen ermöglichen.

Was UCP für Händler konkret bedeutet

Für Händler bedeutet das UCP im ersten Schritt die Auseinandersetzung mit einer grundlegenden strategischen Frage: Welche Rolle wollen sie in einem solchen Plattformmodell einnehmen und wollen sie daran überhaupt aktiv teilnehmen?

Insbesondere für Marken kann eine zu starke Abhängigkeit von Plattformen kritisch sein, da Kontrolle über Kundenzugang, Markenwahrnehmung und Differenzierung verloren gehen kann.

Entscheiden sich Händler dafür, bedeutet das Universal Commerce Protocol, dass Produktdaten so aufbereitet sein sollten, dass sie von AI-Systemen eindeutig verstanden und eingeordnet werden können. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten, da zentrale Teile der Customer Journey und der Transaktionslogik in die Sphäre großer Plattformanbieter verlagert werden.

Hinzu kommt, dass sich die Verfügbarkeit und Ausprägung solcher Modelle regional unterscheiden kann. Neue Commerce-Funktionalitäten werden häufig zunächst in einzelnen Märkten ausgerollt, sodass Händler internationale Unterschiede bei Infrastruktur, Regulierung und Nutzerverhalten berücksichtigen müssen.

Wie funktioniert UCP im Detail?

Das Universal Commerce Protocol basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer Akteure, die Transaktionen direkt aus AI-Interaktionen heraus ermöglichen. Händler stellen strukturierte Produkt- und Bestandsdaten bereit, während Google als Orchestrator die Interaktion im Frontend steuert. Ergänzt wird dieses Setup durch Payment Services für die Zahlungsabwicklung sowie Credential Provider, die Identitäten und Berechtigungen verwalten.

In einem typischen Ablauf äußert ein Nutzer eine Kaufabsicht, die AI interpretiert diese, greift auf angebundene Datenquellen zu und stößt die Transaktion direkt an. Systeme wie das Merchant Center bleiben dabei zentrale Bausteine, da sie als Datenbasis und Integrationsschicht dienen.

In der Praxis zeigen sich jedoch schnell die Herausforderungen: unvollständige Produktdaten, inkonsistente Strukturen oder fehlende Echtzeitfähigkeit bremsen solche Szenarien massiv aus. Die Integration ist kein Selbstläufer, sondern erfordert eine gezielt vorbereitete Systemlandschaft.

Zwei Integrationsansätze und was sie für Händler bedeuten

Native Checkout

Beim Native Checkout werden Transaktionen direkt innerhalb der Google-Umgebung abgewickelt. Der Vorteil liegt in einem schnellen Einstieg und geringem Integrationsaufwand. Prozesse sind weitgehend standardisiert, die technische Komplexität bleibt überschaubar. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten zur Differenzierung begrenzt. Händler geben einen Teil der Kontrolle über das Kundenerlebnis und die Prozessgestaltung ab.

Embedded Checkout

Beim Embedded Checkout integrieren Händler ihre eigenen Checkout-Prozesse in die Interaktion. Das ermöglicht mehr Kontrolle über Marke, Prozesse und Kundenerlebnis. Gleichzeitig steigt jedoch der Integrationsaufwand, und die Anforderungen an die eigene Systemlandschaft sind deutlich höher.

Was UCP für bestehende Commerce-Architekturen bedeutet

Das Universal Commerce Protocol stellt neue Anforderungen an bestehende Commerce-Architekturen. Die Wahl des Integrationsansatzes hat unmittelbare Auswirkungen auf bestehende Systemlandschaften. Unabhängig davon steigen die Anforderungen an Daten, Prozesse und Integration deutlich.

Produktdaten müssen strukturiert, konsistent und in Echtzeit verfügbar sein, sodass sie sowohl ausgespielt als auch von AI-Systemen interpretiert werden können. APIs werden dabei zur zentralen Integrationsschicht, über die Systeme miteinander verbunden werden.

Wo bestehende Systeme an Grenzen stoßen

Viele bestehende Shop- und PIM-Systeme stoßen bei der Verarbeitung und Bereitstellung von Produktdaten in Echtzeit sowie deren Nutzung in AI-basierten Szenarien an ihre Grenzen. Sie sind historisch gewachsen und nicht auf solche dynamischen Anforderungen ausgelegt.

Gleichzeitig verschiebt sich die Rolle der Datenbasis. Produktinformationen dienen nicht mehr nur der Darstellung im eigenen Shop, sondern werden zur Grundlage für externe Plattformen, AI-basierte Empfehlungen und transaktionsnahe Prozesse.

Ein leistungsfähiges PIM-System wird damit zur zentralen Voraussetzung. Nur wenn Produktdaten kontextfähig gepflegt, flexibel ausgespielt und systemübergreifend verfügbar sind, lassen sich die Anforderungen des Universal Commerce Protocols erfüllen. Für Händler bedeutet das, ihre Architektur gezielt auf Flexibilität, Integrationsfähigkeit und Datenqualität auszurichten.

Strategische Auswirkungen des UCP: Neue Abhängigkeiten und Chancen

Das Universal Commerce Protocol verstärkt die Verlagerung der Customer Journey in Richtung Plattformen.

In der Wirkung ähnelt es klassischen Marktplätzen: Diese bieten zusätzliche Reichweite und vereinfachte Transaktionen, verschieben aber gleichzeitig die Kontrolle über den Kaufmoment in Richtung Plattform.

Damit verschärfen sich die Rahmenbedingungen für Händler deutlich. Produktsuche, Beratung und Kaufentscheidung verlagern sich zunehmend in Plattformumgebungen. Das erschwert Differenzierung und erhöht das Risiko, austauschbar zu werden.

Gleichzeitig entstehen neue Chancen. Plattformen eröffnen zusätzliche Reichweite und verkürzen den Weg zum Kaufabschluss. Entscheidend ist daher nicht nur die Frage, ob Händler diese Kanäle nutzen, sondern vor allem, wie bewusst sie ihre Rolle darin gestalten.

UCP ersetzt keine eigenen Vertriebskanäle, sondern ergänzt sie. Erfolgreiche Händler kombinieren Plattformen gezielt mit eigenen Touchpoints, um Sichtbarkeit zu erhöhen und gleichzeitig die Kundenbeziehung aktiv zu steuern.

Fazit: Relevantes Architekturkonzept mit strategischem Handlungsbedarf

Das Universal Commerce Protocol verschärft die bestehenden Dynamiken im digitalen Handel, indem es AI, Plattformökonomie und Transaktionslogik enger miteinander verzahnt.

Für Händler entsteht daraus Handlungsbedarf, zunächst auf strategischer Ebene. Es gilt, die eigene Rolle im Umgang mit Plattformen zu definieren und darauf aufbauend Datenbasis, Systemlandschaften und Integrationsfähigkeit entsprechend auszurichten.

Die Teilnahme an solchen Modellen ist dabei keine Selbstverständlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung.

Wer sich dafür entscheidet, kann es jedoch nicht bei der reinen Präsenz belassen. Produktdaten und Inhalte müssen so aufbereitet sein, dass AI-Systeme sie aktiv auswählen und gleichzeitig gilt es, die Kundenbeziehung nicht vollständig an die Plattform abzugeben. Wer den Zugang zum Kaufmoment verliert, verliert einen zentralen Hebel zur Gestaltung der Kundenbeziehung.

Genau auf diese Herausforderung ist novomind seit vielen Jahren im Umgang mit komplexen Produktdaten- und Commerce-Strukturen ausgerichtet.

So entsteht die Grundlage, um auch im AI-getriebenen Handel sichtbar zu bleiben und den eigenen Einfluss im Kaufprozess zu sichern.

FAQ

Wird das Universal Commerce Protocol klassische Onlineshops ersetzen?

Nein, das Universal Commerce Protocol ersetzt klassische Onlineshops nicht vollständig, verändert aber ihre Rolle grundlegend. Transaktionen können zunehmend direkt in AI-basierten Interfaces stattfinden, während der eigene Shop stärker zur Marke, Datenquelle und Erlebnisplattform wird.

Händler benötigen vor allem hochwertige und integrierte Produktdaten. Zusätzlich sind flexible APIs und eine integrierte Systemlandschaft entscheidend, um Daten plattformübergreifend bereitzustellen und in AI-basierte Prozesse einzubinden.

Das größte Risiko liegt im Verlust des direkten Zugangs zum Kaufmoment. Wenn Plattformen wie Google die Interaktion und Transaktion steuern, verlieren Händler an Kontrolle über Kundendaten, Markenwahrnehmung und Differenzierungsmöglichkeiten.

Das Universal Commerce Protocol ähnelt Marktplätzen in der zentralen Steuerung von Interaktion und Transaktion, geht aber weiter: Es integriert Produktsuche, Beratung und Kauf direkt in AI-gestützte Dialoge, ohne dass Nutzer klassische Plattformoberflächen aktiv aufrufen müssen.

Händler sollten sich frühzeitig mit dem Universal Commerce Protocol auseinandersetzen, da die Anforderungen an Produktdaten, Systeme und Integration bereits heute steigen. Andernfalls besteht das Risiko, in zukünftigen AI-basierten Kaufprozessen nicht mehr berücksichtigt zu werden.

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