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19. Januar 2026
Agentic Commerce: Zwischen Vision und Realität
in AI, Digital Commerce

von Daniela Köhler

Pressesprecherin

Inhaltsverzeichnis
19. Januar 2026

Agentic Commerce: Zwischen Vision und Realität

in AI, Digital Commerce
Speakerbild Markus Schmid von novomind
Head of Product Management novomind iSHOP

Agentic Commerce steht noch am Anfang. Warum sich der Blick darauf trotzdem lohnt und wie du heute schon die richtigen Weichen für morgen stellst.

Agentic Commerce verspricht nicht weniger als einen grundlegenden Wandel im digitalen Handel: KI-Agenten, die eigenständig im Auftrag der Nutzer handeln, von der Analyse bis zur Entscheidung. Kein klassisches Automatisieren mehr, sondern echte Delegation. Systeme, die proaktiv agieren und sich am Kundenbedürfnis orientieren, statt bloß zu reagieren. Klingt vielversprechend. Doch wie weit ist die Praxis wirklich?

Viele Ideen rund um Agentic Commerce sind noch neu, unausgereift oder in ersten Pilotprojekten verankert. Die Technologie entwickelt sich rasant, aber ein breiter Einsatz ist (noch) nicht Realität.

Emily Pfeiffer von Forrester Research bringt es treffend auf den Punkt:

“Agentic commerce only sort of exists, is just launching for the first time in many arenas, and it might not be… good. Are you hearing that it’s a thing, that you need to have it right now, and that you’re already behind the ball? First – don’t panic. No one has this figured out yet.”
— Emily Pfeiffer, Principal Analyst, Commerce Technology, Forrester Research auf LinkedIn

Die technologische Basis dafür bildet die Agentic AI. Wie diese funktioniert und welche Rolle sie spielt, haben wir im Blogbeitrag zur Agentic AI bereits erklärt. Agentic Commerce ist nun der Versuch, diese Konzepte konkret im E-Commerce umzusetzen.

Warum du dich trotzdem schon jetzt mit dem Thema beschäftigen solltest? Weil die technologische Entwicklung rasant voranschreitet. KI-Modelle werden leistungsfähiger, Systeme modularer und Schnittstellen offener. Aber: Es braucht keine Schnellschüsse. Wichtig ist ein starker Partner, der ehrlich einschätzt, was heute schon möglich ist und was noch nicht. Wer gut vorbereitet ist, kann später schneller und gezielter handeln.

Von Absicht zur Aktion: Was Agentic Commerce derzeit bedeutet

Agentic Commerce beschreibt ein System, in dem KI-Agenten eigenständig im Auftrag von Nutzern handeln. Sie verstehen Ziele, treffen Entscheidungen und führen Aktionen aus, ohne dass jeder Zwischenschritt manuell angestoßen werden muss. Der Mensch gibt die Richtung vor, der Agent übernimmt die Umsetzung.

Damit verändert sich auch die Rolle der Nutzer. Commerce basiert künftig nicht mehr auf Klicks und Formularen, sondern auf Zielvorgaben und Kontext – interpretiert und umgesetzt durch Systeme, die nicht nur reagieren, sondern agieren.

Viele aktuelle Lösungen bleiben dabei noch assistiv: Sie unterstützen Entscheidungen, treffen sie aber nicht eigenständig. Der Unterschied ist entscheidend. Echte Agentik beginnt dort, wo Systeme nicht nur beraten, sondern handeln und zwar angepasst an Situation, Nutzerprofil und Zielsetzung.

Was Agentic Commerce (nicht) ist

Agentic Commerce ist kein weiterer AI-Hype, keine isolierte Funktion und kein Ersatz für Teams. Es geht nicht um Automatisierung „schneller“, sondern „anders“. Entscheidungen werden nicht mehr nur vorbereitet, sondern aktiv getroffen – durch Systeme, die im besten Fall mitdenken und dazulernen. Und dennoch: Die Kontrolle bleibt beim Menschen. Vertrauen entsteht durch Transparenz, nachvollziehbare Logiken und klare Eingriffsoptionen.

Eng verwandt ist Agentic Commerce mit dem Konzept des Autonomous Commerce. Während Autonomous Commerce stärker auf die Automatisierung ganzer Beschaffungs- und Verkaufsprozesse zielt, rückt Agentic Commerce die Interaktion mit intelligenten, handelnden Systemen in den Fokus, also eine Form der Autonomie mit direkter Nutzersteuerung. Beide Ansätze stehen nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.

Voraussetzungen für Agentic Commerce

Damit Agentic Commerce funktionieren kann, braucht es mehr als Technologie allein. Drei Voraussetzungen sind besonders entscheidend:

  • Zugängliche und aktuelle Datenbasis: Nur strukturierte, verlässliche Daten ermöglichen sinnvolle Entscheidungen.
  • Anpassungsfähigkeit durch Feedback: Agenten müssen aus Verhalten und Ergebnissen lernen, um besser zu werden.
  • Flexible, offene Systemarchitektur: APIs, modulare Plattformen und interoperable Komponenten machen Agentik erst möglich.

Owned vs. Non-Owned Experiences

Aktuelle Agentic-Commerce-Anwendungen entstehen vor allem in sogenannten owned experiences – also innerhalb von Plattformen, die ein Unternehmen kontrolliert, etwa Onlineshops oder Apps. Hier können Agenten z.B. Produktempfehlungen ausspielen, Inhalte personalisieren oder Services automatisieren.

Parallel entwickeln sich erste non-owned experiences – zum Beispiel in Answer Engines wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity. Hier agieren externe Agenten, die Kunden unterstützen, Produkte recherchieren oder sogar Bestellungen auslösen. Für Unternehmen bedeutet das: Agenten handeln außerhalb der eigenen Plattform, die Kontrolle über den Kaufprozess verlagert sich. Die Integration zwischen diesen Ökosystemen steckt zwar noch in den Anfängen, entwickelt sich aber rasant.

Wo Agentic Commerce echten Nutzen stiftet

Gerade in komplexen, datengetriebenen Prozessen zeigt sich das Potenzial von Agentic Commerce besonders deutlich.

Im B2C-Bereich gestalten intelligente Agenten personalisierte Warenkörbe, passen Customer Journeys in Echtzeit an oder generieren dynamische Produkttexte, immer abgestimmt auf Verhalten, Kontext und Kanal.

Im B2B-Kontext automatisieren Agenten die Beschaffung, prüfen Lieferanten anhand interner Richtlinien und ESG-Kriterien oder vergleichen Angebote in Echtzeit, inklusive Vertragsdaten und Lieferfristen.

Wo Agentic Commerce schon Realität ist

Bei novomind setzen wir viele dieser Prinzipien bereits heute um. Zum Beispiel durch:

  • Conversational AI, die Anliegen im Kundenservice versteht und Abläufe automatisiert
  • Recommendation Engines, die nicht nur Produkte empfehlen, sondern Kontexte erkennen
  • KI-gestützte Content-Erstellung, die aus Produktdaten hochwertigen, kanalspezifischen Content erzeugt

Agentic Commerce ist damit kein Thema für die ferne Zukunft mehr, sondern erste Elemente halten bereits Einzug in den operativen Alltag.

Herausforderungen: Was Agentic Commerce bremst

Trotz aller Fortschritte steht Agentic Commerce noch am Anfang. Es gibt offene Fragen, die Unternehmen strategisch klären müssen:

  • Wie gut sind unsere Daten?
    Ohne eine saubere, vernetzte Dateninfrastruktur wird jeder Agent zur Blackbox.
  • Wie schaffen wir Vertrauen?
    Entscheidungen müssen nachvollziehbar und überprüfbar sein, sowohl für interne Teams als auch für Kunden.
  • Wie energieeffizient ist unsere Lösung?
    Generative KI ist rechenintensiv – nachhaltige Lösungen brauchen eine technische Basis, die mitwächst.
  • Wer trägt Verantwortung und wo ziehen wir Grenzen?
    Unternehmen müssen klar definieren, welche Entscheidungen Agenten treffen dürfen und wo der Mensch eingreift.

Differenzierung in Zeiten autonomer Systeme

Wenn Entscheidungen nicht mehr (nur) von Menschen getroffen werden, reicht klassische Markenkommunikation allein nicht aus. Sichtbarkeit muss auch maschinenlesbar sein.

Das bedeutet: Unternehmen müssen ihre Stärken so strukturieren, dass sie von Agenten erkannt und bewertet werden können. Dazu zählen messbare Service-Versprechen wie garantierte Lieferzeiten oder Rückgabefristen, ESG-Zertifizierungen oder personalisierte Angebote auf Basis von Verhaltensdaten.

Die Kombination aus emotionaler Relevanz für Menschen und strukturierter Relevanz für Maschinen wird zur zentralen Differenzierungsstrategie im agentischen Zeitalter.

Agentic Commerce ist ein Wandel, kein Produkt

Wer Agentic Commerce einführen will, braucht keine fertige All-in-one-Lösung, sondern eine klare Strategie. Der Wandel betrifft Technologie, Organisation und Unternehmenskultur gleichermaßen. Monolithische Systeme, fehlende Schnittstellen oder unklare Zuständigkeiten bremsen echte Autonomie oft schon im Ansatz.

Gleichzeitig braucht es Offenheit gegenüber neuen Rollen und Verantwortlichkeiten. Agentic Commerce bedeutet, operative Aufgaben abzugeben und neue, strategischere Aufgaben zu übernehmen. Nur so entsteht nachhaltiger Nutzen.

Fazit: Was Agentic Commerce heute bedeutet

Agentic Commerce ist eine spannende Entwicklung, aber noch kein Standard. Erste Anwendungen zeigen, was möglich ist. Doch vieles befindet sich noch im Experimentierstadium. Wer heute einsteigt, sollte keine fertigen Lösungen erwarten, sondern ein gutes Gespür dafür entwickeln, was realistisch ist und was (noch) nicht.

Was jetzt zählt:

  • Verstehen, was Agentic Commerce leisten kann und wo aktuell die Grenzen liegen
  • Bestehende Prozesse und Daten kritisch prüfen: Was ist automatisierbar, was nicht?
  • Mit kleinen Pilotprojekten Erfahrungen sammeln
  • Einen starken Technologiepartner an der Seite haben, der ehrlich berät und weiterdenkt

Agentic Commerce ist kein Muss und schon gar kein Grund zur Panik. Aber wer sich heute informiert und gezielt vorbereitet, kann in Zukunft schneller und souveräner handeln.

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